Bündnis! arrow Presse arrow Hildesheimer Allgemeine Zeitung arrow Leserbriefe zum Klingeltunnel
Samstag, 4. September 2010
angemeldete Benutzer
Aktuell 3 Gäste online
Statistik
Besucher: 103086
Leserbriefe zum Klingeltunnel PDF Drucken E-Mail

„Klingeltunnel“: Radfahrer und Passanten baden die Bausünden aus

Zu „Polizei greift am ,Klingeltunnel‘ hart durch“, mit Kommentar, vom 29. August:
Der von Radfahrern und Fußgängern gemeinsam benutzte Tunnel zwischen Goschentor und Marienburger Straße ist als „Klingeltunnel“ bekannt, weil die Radfahrer vor den nicht einsehbaren Kurven klingeln. Es kommt immer wieder zu recht lautstarken Auseinandersetzungen zwischen Fußgängern und Radfahrern über ihre vermeintlichen Rechte. Wie ist nun die Rechtslage?
Der Tunnel, einschließlich der Auf- und Abfahrten, ist in ganzer Breite als Fußweg mit dem Zusatz „Radfahrer frei“ gekennzeichnet. Radfahrer haben hier Schritttempo zu fahren, worauf auf beiden Seiten des Tunnels mit einem Schild „Schritt fahren“ ausdrücklich hingewiesen wird.
Die jeweiligen Verkehrsflächen vor und nach dem Tunnel (Marienburger Straße bzw. Friedhöfe/Goschentor) sind als gemeinsamer Fuß- und Radweg beschildert. Hier haben Radfahrer auf Fußgänger Rücksicht zu nehmen.
Zu dem kritisierten Fehlen der Trennlinien ist darauf hinzuweisen, dass weder für den „Gehweg“ noch für den „gemeinsamen Fuß- und Radweg“ eine Trennungslinie vorgesehen ist.
Die Regelungen für die von Radfahrern und Fußgängern gemeinsam benutzten Flächen beruhen auf dem im gesamten Straßenverkehrsrecht geltenden Grundsatz: Der stärkere (Radfahrer) hat Rücksicht auf den schwächeren (Fußgänger) Verkehrsteilnehmer zu nehmen. Dies bedeutet im Umkehrschluss aber nicht, dass sich der Fußgänger rücksichtslos verhalten darf. Vielmehr ist hier ein (friedliches) Miteinander gefragt, das sich bei beiderseitigem guten Willen auch in der Praxis verwirklichen lässt.
Bruno Napp, Hildesheim
*
Der Kommentar zum Artikel macht es deutlich: Der Tunnel ist das Problem. Radfahrer und Passanten baden die Bausünden der Vergangenheit aus. Für den Radverkehr aus der Südstadt mit ihren großen Baugebieten und der Uni ist der Tunnel völlig ungeeignet. Ein Unfall im Klingeltunnel passiert nicht, weil Radfahrer vorher „Geisterfahrer“ waren, sondern weil der Tunnel viel zu schmal ist und keine gewidmeten Spuren aufweist. Die nun umgesetzte Regelung ist weitaus gefährlicher als das Radeln in entgegengesetzter Richtung. Es wird einen neuen Unfallschwerpunkt geben: an der oberen Ecke des Tunnels, wo Radfahrer eine 180-Grad-Kehre machen sollen, um in den Tunnel zu gelangen und so schnell kollidieren können mit aus dem Tunnel kommenden Passanten oder Radfahrern. Ich bin gespannt, wann nach einer Kollision die erste Klage gegen diese aberwitzige Verkehrsführung geführt wird!
Mein Vorschlag (ich höre schon den Aufschrei aller, die nicht Fahrrad fahren): Ausdrückliche Freigabe des Wegs zwischen Ampel und Tunnel für Radfahrer in beide Richtungen. Wegfall der Parkbuchten vor den Geschäften, Widmung des äußeren Gehwegs als Fahrradweg, durch den Tunnel fortgeführt bis auf die andere Seite, und des inneren, an den Häusern entlanggehenden Bereichs als Fußweg. Ein Warnschild „Radfahrer, bitte Schritt fahren“ sollte an jedem Ende des Tunnels stehen. Die jetzige Regelung, bei der sich Radler und Fußgänger den Tunnel auf seiner gesamten Breite teilen, ist zu gefährlich und wird die Unfallzahlen nicht senken.
Marianne Bauer, Itzum
*
Im Artikel „Polizei greift am ,Klingeltunnel‘ hart durch“ in der HAZ vom 29. August 2007 schreibt Ihr Kommentator, dass die Trennlinien im Klingeltunnel dringend erneuert werden müssten. Offensichtlich ist ihm dabei eine wesentliche Änderung dort entgangen, denn anders als früher, als der Klingeltunnel ein getrennter Fuß- und Radweg war, ist der Klingeltunnel jetzt ein Fußweg mit dem Zusatz „Radfahrer frei“. Die Fußgänger können den Klingeltunnel also auf seiner ganzen Breite benutzen. Die Radfahrer können den Klingeltunnel auch benutzen, müssen aber auf Fußgänger Rücksicht nehmen, notfalls absteigen. Die Trennlinie wurde daher absichtlich entfernt. Auch das Schild „Schritt fahren“ wird von Radfahrern – wohl wegen der hohen Geschwindigkeit – oft übersehen.
Carsten Hellemann, Hildesheim
*
Statt über die Undiszipliniertheit der Radfahrer zu lamentieren, sollten sich die Verantwortlichen bei Polizei und Stadtverwaltung vielleicht fragen, warum die derzeitige Verkehrsführung von der großen Mehrheit der stadteinwärts fahrenden Radfahrer nicht angenommen wird. Zum einen ist die vorgeschriebene Strecke über die Kniphofstraße umständlich, zeitraubend und auch ungeeignet, die morgendlichen Massen von Radlern aufzunehmen, zum anderen ist es kaum einzusehen, dass der Tunnel selbst für den Gegenverkehr freigegeben ist (wo die Unfallgefahr ungleich höher ist), die 50 Meter Zufahrt davor aber nicht. Langfristig lässt sich dieses Problem sicher nur durch straßenbautechnische Maßnahmen lösen, nicht aber durch das massive Verhängen von Bußgeldern. Rainer Nimsch, Itzum

 
< zurück   weiter >