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Samstag, 4. September 2010
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Tunnel zuschütten und Bahnüberweg bauen? PDF Drucken E-Mail

Tunnel zuschütten und Bahnüberweg bauen?

Stadtbaurat soll zwei Varianten für Klingeltunnel untersuchen: Radweg zu Lasten der Trogstrecke oder Bahnüberweg

Hildesheim (tem). Das Thema Klingeltunnel erhält neue Dimensionen: Die Stadt prüft, ob die Verbindung für Radfahrer zwischen Kernstadt und Südstadt zugeschüttet und dafür ein Bahnüberweg gebaut oder der Radweg zum Tunnel zu Lasten der Trogstrecke verbreitert werden kann.
Hoch schlugen die Wellen im Zusammenhang mit den Verkehrskontrollen der Polizei am Klingeltunnel. Wie berichtet, überqueren viele Radfahrer aus Richtung Itzum kommend bereits an der Freiherr-vom-Stein-Straße die Marienburger Straße, um von dort aus auf der Gegenseite zum Klingeltunnel ins Zentrum zu fahren.
Der vorgeschriebene, aber umständliche Weg führt bis zur Ampel Kniphofstraße. Dort soll man die Marienburger Straße überqueren. Von da aus wird der Radfahrer in einer Linkskurve zum Tunnel geführt. An diesem Begegnungspunkt (Foto rechts) sehen Ausschuss und Stadt einen Gefahrenherd, der entschärft werden müsse. Alternativ dazu kann man sich auch ein kleines Stück weiter am Überweg auf Höhe Feldstraße sicher und relativ bequem zu Fuß und mit dem Rad rollstuhlgerecht zum Goschentor bewegen.
Das Problem Klingeltunnel sei lange bekannt. Die Stadtverwaltung müsse sich nun endlich einmal rühren, statt das Problem auszusitzen und es auf die Polizei zu schieben, forderte Vorsitzender Wilfried Kretschmer (SPD) in der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung, Bauen, Umwelt und Verkehr. Auch Rita Rühmes klagte über die derzeit „todunglückliche Lösung“.
Die Bündnis!-Ratsfrau riet dazu, die Parkplätze vor dem Klingeltunnel längs der Marienburger Straße zu Gunsten eines breiteren Radweges zu entfernen. Uwe Faase (SPD) sah nur eine Lösung: Die Betonstützen und Stahlrohre am oberen Teil der Trogstrecke (Foto Mitte) zu entfernen und den Radweg an der engsten Stelle am Tunneleingang um etwa 1,5 Meter zu verbreitern.
So könne es jedenfalls nicht weitergehen, unterstrich Stephan Kaune (CDU). Die Strecke werde von den Radfahrern, darunter auch sehr viele Studierende, stark frequentiert. Diese nun auch noch von der Polizei abkassieren zu lassen, passe nicht in eine Stadt, die sich um junge Menschen bemühe.
Moderate Töne schlugen Dr. Martin Gottschlich (FDP) und Jürgen Köhn (CDU) an: Wer sich verkehrsgerecht verhalte, habe am Klingeltunnel kein Problem. Den Bürgern sei es angesichts der kritischen Haushaltslage der Stadt wohl kaum vermittelbar, teure Radwege zu bauen und zugleich „unsere Schulen vergammeln zu lassen“, wenn das Problem durch rücksichtsvolles Fahren im Schritttempo zu vermeiden sei.
Beim Bau der Trogstrecke habe die „irre Verkehrsplanung“ für den Radweg nur eine untergeordnete Rolle gespielt, erklärte Stadtbaurat Thomas Kulenkampff. Radfahrverkehr habe damals quasi nicht stattgefunden. Das Bild habe sich heute deutlich gewandelt.
Der Stadtbaurat riet davon ab, „einige Zentimeter freizumachen“. Besser sei es, in großzügigeren Dimensionen zu denken, den Klingeltunnel zuzuschütten und mit der Bahn über den Bau eines Bahnübergangs zu verhandeln. Kulenkampff empfahl, die Radwegegruppe der Stadt mit dem Thema zu betrauen.
Dietmar Nietsche, vom Radfahrclub ADFC, sagte, er sehe zwar auch die finanziellen Aspekte. Für eine Fahrradstadt, zu der sich Hildesheim ja entwickeln wolle, sei der Klingeltunnel jedoch nicht akzeptabel. Der Ausschuss kam letztlich überein, die genannten Varianten (Bahnüberweg, Verbreiterung) von der Verwaltung untersuchen zu lassen.

Vorschlag 1:
Ein kostspieliger Bahnüberweg könnte den umständlichen Klingeltunnel ersetzen.
Fotos: Gossmann

Vorschlag 2:
Ein Teil der Straße in der Trogstrecke könnte zur Verbreiterung des Radweges genutzt werden.

Vorschlag 3:
Den Radfahrern sind gegenseitige Rücksichtnahme und kleine Umwege zuzumuten.

Kommentar
Rücksicht statt Verschwendung

Der Klingeltunnel ist zweifelsohne das Musterbeispiel einer Fehlplanung. Radfahrer, die das Nadelöhr zur Südstadt durchqueren möchten, müssen je nach Fahrtrichtung drei Dinge tun: Rücksicht nehmen, langsam fahren und kleine Umwege in Kauf nehmen. Ist das so schlimm?
Der Stadtentwicklungsausschuss sieht jedenfalls Handlungsbedarf. Stadtbaurat Thomas Kulenkampff soll zwei Lösungen untersuchen. Die so genannte kleine Lösung erfordert wohl eine satte sechsstellige Summe. Die große Lösung dürfte einen siebenstelligen Betrag verschlingen – selbst wenn beide Varianten von der Rat(d)haus-Lobby schöngerechnet würden.
Jeder Radfahrer in Hildesheim kennt den Klingeltunnel und weiß, wer sich vorschriftsmäßig verhält, zu Miniumwegen bereit ist und nicht in Rambomanier durch das Nadelöhr brettert, braucht keine teure Fahrradautobahn an dieser Stelle. Der Rat sollte die Schulden, die er für den Bau einer bequemeren Rad-Lösung machen müsste, besser in die Sanierung städtischer Schulen oder in andere Projekte investieren.
Manfred Hüttemann

 

 
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