Hildesheim (bör). Die Hildesheimer Polizei geht hart gegen Radfahrer vor: Am Montag hat sie 46 Falschfahrern auf der Marienburger Straße ein Verwarungsgeld aufgedrückt. Sieben Beamte gingen gegen Verkehrssünder vor. Der Grund: Auf der Marienburger Straße, Höhe Freiherr-vom-Stein-Straße, wechseln die Fahrradfahrer, auf dem Weg zum Hildesheimer Zentrum, regelmäßig auf die gegenüberliegende Straßenseite und radeln bis zum „Klingeltunnel“ im Gegenverkehr. Problematisch sei vor allem, dass der Fuß- und Fahrradweg dort so eng sei, dass man eine Behinderung von Passanten und Radfahrern „der richtigen Seite“ nicht ausschließen könne, so Oliver Müller, Pressesprecher der Hildesheimer Polizei.
Seit Monaten schon beobachtet Harald Dröge, Initiator der Kontrollaktion, die Abfahrt zum Klingeltunnel. Bereits seit einigen Wochen erteilt er mündliche Verwarnungen: „Trotz umfassender Aufklärungsarbeit hat sich das falsche Verhalten bei den Radfahrern über Jahre eingebürgert. Nun sehen wir keinen anderen Ausweg als repressive Maßnahmen.“ Mit 15 Euro Verwarnungsgeld muss ein Radfahrer rechnen, der den Klingeltunnel in falscher Fahrtrichtung passieren will. Wenn zu der Verkehrswidrigkeit jedoch auch noch ein Fall von Behinderung kommt, erhöht sich die Summe schnell auf 20 Euro.
Neben vielen Beschwerden seitens der Anwohner und Passanten habe es an dieser Stelle aber auch eine Reihe von schweren Unfällen gegeben, berichtet die Polizei. „Ich war selbst auf dem Fahrrad, als mich in der Kurve ein anderer Radfahrer schnitt. Das Ergebnis war ein doppelter Schädelbruch,“ schildert eine Passantin im Vorbeigehen, „ich kann die neuen Maßnahmen nur begrüßen.“ Die meisten Radfahrer zeigten sich beim Erhalten des Verwarnungsgeldes allerdings uneinsichtig, obwohl allein dieses Jahr rund 50 Unfälle in Hildesheim auf das Fehlverhalten von Radfahrern zurückzuführen seien.
Die hohe Unfallgefahr im Tunnel führte dazu, dass die Stadt vor Kurzem ein zusätzliches Hinweisschild an der Marienburger Straße, Richtung Stadtzentrum, Höhe Freiherr-vom-Stein-Straße, aufstellte: „Zum Klingeltunnel nächste Ampel“. Die „nächste Ampel“ befindet sich in Höhe der Kniphofstraße. Dort sollen die Radler, die Richtung Zentrum wollen, die Straße überqueren, sich über die Brücke, deren Geländer für Radfahrer extra erhöht wurde, auf die andere Straßenseite begeben und dann erst den Tunnel passieren. Auf diese Weise sei sichergestellt, dass die zwei Fahrtrichtungen auf dem Gehweg vor der Unterführung klar voneinander getrennt sind.
Innerhalb von zweieinhalb Stunden kassierten die Beamten am Montagnachmittag in 46 Fällen 15 Euro für falsches Fahren. Auch der Schüler Robert Klatt wurde auf dem Weg zum Friseur von den Beamten gestoppt. „Ich finde das ganz schön dreist,“ sagte der 16-Jährige entrüstet, „woher soll man denn nun wissen, wo man lang fahren darf?“ Dröges Antwort: „Wir betreiben seit Jahren Aufklärungsarbeit in Schulen, da wird genau beschrieben, wie man sich auf dem Fahrrad zu verhalten hat. Außerdem helfen die Straßenschilder zur Orientierung: Wenn man keine Schilder sieht, befindet man sich auf der falschen Seite.“
Das neue Schild an der Marienburger Straße soll Radfahrern künftig den Weg weisen: Das Weiterfahren im Gegenverkehr ist nicht gestattet. Foto: Börner